Landkreis Donau-Ries
Bei einem Notfall zählt jede Minute: Die Lebensretter-App im Landkreis Donau-Ries setzt auf schnelle Hilfe durch qualifizierte Ersthelfer. So funktioniert es.
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute, es geht buchstäblich um Leben und Tod. Manchmal können Ersthelfer mit einer entsprechenden Ausbildung schneller als der Rettungsdienst am Notfallort sein, weil sie etwa in der Nähe wohnen oder gerade dort unterwegs sind. Diese Idee steckt hinter Ersthelfer-Apps. In ganz Deutschland gibt es mehrere davon. Im Herbst vergangenen Jahres wurde die App „Region der Lebensretter“ in der Integrierten Leitstelle Augsburg, die auch den Landkreis Donau-Ries betreut, eingeführt. Mehrere Ersthelfer konnten seitdem schon erste Erfahrungen sammeln.
In der App registrieren können sich Ersthelfer mit Vorerfahrung. Mindestvoraussetzung ist der Sanitätskurs mit 48 Übungsstunden, erklärt Prof. Dr. Axel Heller, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Augsburg, der sich bei der Integrierten Leitstelle Augsburg (ILS) für die Einführung der App starkgemacht hat. Zudem können sich auch etwa Feuerwehrleute oder Polizeibeamte, die zusätzlich eine Grundqualifikation erworben haben, wie etwa einen Reanimationskurs, registrieren. Und natürlich alle mit einem medizinischen Beruf wie etwa Ärzte, Pflegekräfte oder Notfallsanitäter. Normalbürger mit einem einfachen Erste-Hilfe-Kurs können sich nicht registrieren, denn die Ersthelfer sollten krisenresistent sein und mit Einsatzsituationen umgehen können, sagt Heller.
Die Leitstelle aktiviert die App und alarmiert den Rettungsdienst
Geht bei der Leitstelle ein entsprechender Notfall ein, wird neben dem Rettungsdienst auch die App aktiviert. Diese prüft, welche Ersthelfer gerade in der Nähe sind und alarmiert diese. Diese können dann den Alarm annehmen oder ablehnen. „Alarmiert werden drei Personen: Zwei werden direkt zum Patienten zum Reanimieren geschickt, einen leitet die App zum nächsten Defibrillator“, erklärt Heller.
Der Nördlinger Stefan Mack, ehrenamtlicher Feuerwehrmann mit Sanitäter-Ausbildung, hat sich die App vor ein paar Wochen installiert. „Die App fragt ab, ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto unterwegs ist“, sagt er. Bisher wurde er zweimal auf diesem Weg alarmiert. Einmal wusste er jedoch schon vorher Bescheid: Ein paar Sekunden bevor die App auslöste, hatte er bereits die offizielle Alarmierung über die Feuerwehr erhalten. „Ich habe in der App dann abgelehnt, weil ich ja schon unterwegs zum Gerätehaus war“, sagt er. Wie kommt das zustande?
Heller: Lebensretter-App prüft, welche Helfer vor Ort verfügbar sind
„Es kann sein, dass die App ganz kurze Zeit später alarmiert, da sie auf die Rückmeldung der Helfer vor Ort angewiesen ist“, erklärt Heller. So prüfe die App zunächst, welche Helfer sich in der Nähe befinden, ob sie verfügbar sind und mit welchem Verkehrsmittel sie unterwegs sind. „Es kann ja auch sein, dass ein Feuerwehrmann, der in der Nähe des Notfalls wohnt, schneller über die App ist. Denn über den offiziellen Weg muss er zunächst zum Feuerwehrhaus fahren“, so Heller weiter. Ersthelfer würden nur aktiviert, wenn ein Helfer schneller als das offizielle Rettungsmittel sein könne.
Die App leitet auch direkt zum Notfallort. „Das ist super, dass man mit Google-Maps direkt zum richtigen Ort geführt wird. Denn das ist nicht immer leicht zu finden“, sagt der Rettungssanitäter Pascal Schnehle, der die Lebensretter-App ebenfalls nutzt. Ihm ist aufgefallen, dass bisher noch nicht alle Defibrillatoren in der App verzeichnet sind. Diese könne man auf der Website www.region-der-lebensretter.de melden, sagt Heller. Hier könne man auch Fotos hochladen, die das Auffinden des Defibrillators erleichtern sollen. Heller ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen Defibrillatoren melden. „Es bestehen Versorgungslücken, die vermeidbar wären. Die Infrastruktur ist teilweise bereits vorhanden, wird aber mangels Registrierung nicht wirksam“, so der Mediziner weiter.
Noch wenige Ersthelfer im Landkreis Donau-Ries registriert
Im Vergleich mit anderen Regionen haben sich im Landkreis Donau-Ries mit 202 Personen (Stand: April 2026) bisher noch wenige Ersthelfer registriert, sagt Heller. Im Landkreis Augsburg Land seien es 707. Dabei sei es wichtig, dass man bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand schnelle Hilfe leiste. Denn wenn das Gehirn mehr als drei Minuten nicht mit Sauerstoff versorgt ist, werde es kritisch, sagt Heller. Es gäbe Einsätze, bei denen Ersthelfer, die über die App alarmiert werden, bis zu zehn Minuten schneller als der Rettungsdienst beim Patienten seien, manchmal sogar unter drei Minuten.
Auch Dennis Meyer, einer der sogenannten „Leuchttürme“, also Ansprechpartner für die App im Landkreis Donau-Ries, würde sich wünschen, dass die App noch besser genutzt wird. Diese funktioniert übrigens auch landkreisübergreifend: Auch an seinem Arbeitsplatz im Ostalbkreis kann Meyer im Ernstfall als Ersthelfer zur Verfügung stehen.
Quelle: Donauwörther-Zeitung 06.06.2026 Bericht von Anja Lutz
