Rain: Nachdem Tillywurm in Rain nimmt eine Faschingsparty in einer Kneipe ein böses Ende. Das hat einen Großalarm zur Folge. Ein Augenzeuge berichtet.
Die Stimmung war prächtig. Hunderte von Faschingsbegeisterten feierten nach dem „Tillywurm“ im Freien und in verschiedenen Lokalen am Sonntag (15.02.2026) in Rain weiter. Wegen des kühlen Wetters zog es die Narren in beheizte Räume. So drängten sich gegen 18.30 Uhr auch in der Bierkutschn, einer Traditionskneipe in der Hauptstraße, schätzungsweise 100 Personen. Innerhalb von Sekunden änderte sich aber die Situation komplett. „Auf einmal fingen die ersten Leute zu husten an“, schildert einer der Gäste. Etwas Beißendes habe in der Luft gelegen und sich rasch ausgebreitet: „Alle hielten sich die Hände oder Kleidungsstücke vor das Gesicht.“ Eine unbekannte Person hatte, so weiß die Polizei inzwischen, „einen stark reizenden Stoff versprüht“. Weil zunächst mit zahlreichen Verletzten zu rechnen war, gab es Großalarm für rund 200 Rettungskräfte aus dem weiten Umkreis.
Die Menschen, die sich in der Kneipe befanden, behielten glücklicherweise die Nerven. „Wir haben instinktiv versucht, sofort rauszukommen“, berichtet der 41-Jährige, der aus dem Lechgebiet stammt, „das war schon ein leichter bis mittlerer Aufruhr“. Jedoch habe niemand geschubst oder sonst wie panisch reagiert. So hätten alle Gäste und das Personal einigermaßen geordnet über die Tür direkt zur Hauptstraße hin und über einen Zwischengang das Gebäude verlassen können.
Gäste der Bierkutschn in Rain klagen über Atembeschwerden und Übelkeit
Wenige Augenblicke später sei die Polizei vor Ort gewesen, teilt Josef Mayer, Leiter der örtlichen Inspektion, mit. Die befindet sich unmittelbar neben dem Lokal. Man habe festgestellt, dass eine Reihe von Personen über starke Atembeschwerden, Augenreizungen und Übelkeit geklagt habe. Eine Frau habe sich erbrochen. Angesichts der unübersichtlichen Lage und der Tatsache, dass offenbar bis zu 25 Personen gesundheitliche Probleme hatten, sei unter dem Stichwort „Massenanfall an Verletzten“ ein Großaufgebot an Hilfskräften verständigt worden.
In die Hauptstraße eilten erste Rettungswagen-Besatzungen und 45 Aktive der Freiwilligen Feuerwehr Rain. Aus dem ganzen Landkreis Donau-Ries sowie aus benachbarten Regionen (Kreise Neuburg-Schrobenhausen, Dillingen und Augsburg) rückten vor allem Kräfte des Roten Kreuzes und der Johanniter an, so Julian Linden, Leiter Rettungsdienst des Roten Kreuzes im Donau-Ries-Kreis. Am Schulzentrum wurde ein sogenannter Bereitstellungsraum eingerichtet, an dem sich mehr als 150 Helferinnen und Helfer mit Dutzenden von Fahrzeugen sammelten. Sechs Notärzte waren vor Ort, einer davon kam mit dem ADAC-Rettungshubschrauber aus Ingolstadt. Von dem Platz aus sei zumindest ein Teil der bereitstehenden Kräfte nach und nach in die Hauptstraße abgerufen worden.
Rund 30 Personen werden an Sammelstelle im Rathaus betreut
Dort leiteten die Helfer die augenscheinlich Betroffenen ins Foyer des Rathauses, das als Betreuungs- und Verletztensammelstelle genutzt wurde. Man habe etwa 30 Personen betreut, medizinisch versorgt und zu dem Vorfall befragt, erklärt Inspektionsleiter Mayer. Letztlich habe man 16 Leichtverletzte registriert. Allesamt hätten nach ambulanter Behandlung vor Ort wieder entlassen werden können. Julian Linden bilanziert, letztlich sei die Sache glimpflich abgegangen. In die Maßnahmen mit eingeschaltet war die Stadt Rain. Die Bierkutschn blieb Hauptkommissar Mayer zufolge nach Absprache mit dem Wirt, der besonnen reagiert habe, den restlichen Abend über geschlossen.
Sogleich begann die Polizei auch mit der Suche nach dem Verursacher. „Aufgrund von Zeugenaussagen fanden Überprüfungen statt“, so Mayer. Bis Montag sei kein konkreter Tatverdacht gegen eine Person zu begründen gewesen. Die Beamten, die wegen gefährlicher Körperverletzung in 16 Fällen ermitteln, bitten um Hinweise: Telefon: 09090/70070.
In Dreifachhalle in Rain geraten zwei Gruppen aneinander: Polizei ermittelt
Der „Tillywurm“ in Rain am Sonntagnachmittag mit schätzungsweise 8000 Zuschauern sei „super-friedlich“ verlaufen, bilanziert Josef Mayer. Auch das närrische Treiben in der Hauptstraße sei ansonsten „unproblematisch“ gewesen. Ein paar Zwischenfälle meldet die Polizei aus dem Umfeld. Sanitäter kümmerten sich um eine 15-Jährige, die betrunken war und sich nicht mehr eigenständig zurechtfand. Mehrere Jugendliche, die ebenfalls alkoholisiert waren, beschädigten das Fundament eines Verkehrszeichens an der Ecke Hauptstraße/Schlossstraße.
In der Dreifachhalle, wo sich rund 800 Gäste tummelten, mussten Sicherheitsdienst und Polizei mehrere Streitigkeiten schlichten. Um 18.25 Uhr gerieten zwei Gruppen aneinander. Mehrere der Beteiligten, die allesamt zwischen 20 und 25 Jahre alt sind, zogen sich leichte Verletzungen zu. Gegen 21.30 Uhr attackierte im Bereich des Ausgangs ein 25-Jähriger zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und verletzte sie durch Schläge ins Gesicht leicht. Auch hier leiteten die Gesetzeshüter ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung ein.
Quelle: Donauwörther-Zeitung 17.02.2026 Bericht von Wolfgang Widemann
Videobericht: BR Mediathek
Abendschau - Der Süden: Reizgas-Alarm auf Faschingsparty in Rain
Der Bayerische Rundfunk berichtete in der Abendschau über den Einsatz der Feuerwehr Rain am Lech. Klicken Sie auf den Button, um das Video in der ARD Mediathek zu öffnen.
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